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Mulesing

Der Streit zwischen internationalen Tierschützern und australischen Farmern um die Behandlung der australischen Schafe ist in aller Munde. Über die ökologischen und sozialen Aspekte der Textilindustrie hinaus ist der Tierschutz ein Thema, das dem Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft wichtig ist.

Was bedeutet „Mulesing“
Unter „Mulesing“ versteht man einen operativen Eingriff gegen Fliegenbefall bei Schafen .

In Australien und sehr begrenzt in Neuseeland sind Schafe besonders anfällig für den Befall durch Schmeißfliegen (Blowfly / Lucilia Cuprina). Das Klima dort beschert der Fliege besonders gute Bedingungen, denn sie gedeiht vor allem in Regionen, die dauerhaft grünen Untergrund haben. Das eher kontinentale Klima unterliegt geringen jahreszeitlichen Schwankungen. Besonders betroffen ist die in Australien am häufigsten gezüchtete Rasse der stark bewollten Merinos. Um die Wollausbeute zu erhöhen, wurden sie auf eine ausgeprägt faltige Haut hin gezüchtet. Die Fliegen nutzen das für ihre Maden optimale Klima dieser warmen, feuchten, von Kot und Urin verschmutzten, schlecht belüfteten Hautfalten der After- und Genitalregion der Schafe aus, indem sie ihre Eier dazwischen ablegen. Die geschlüpften Maden wandern in Haut und Unterhaut der Schafe und fressen das Schaf bei lebendigem Leibe. Es kommt zu schweren Entzündungen und nicht selten auch zum Tod des Tieres.

Zur Vorbeugung gegen diesen Befall mit Fliegenmaden werden vornehmlich in Australien den Lämmern die betroffenen Hautfalten operativ entfernt. Hierzu werden die Schafe gewaltsam auf den Rücken geworfen. Eine Metallstange biegt die Hinterbeine zurück, während mit einer extra für das Mulesing entwickelten scharfen Schere die Hautfalten um After, Vulva und Schwanz heraus geschnitten werden. Diese Prozedur erfolgt ohne Betäubung. Man findet unterschiedliche Größenangaben zu den Wundflächen – sie reichen von 5-6 inches (13-15 cm) Durchmesser bis hin zu esstellergroß. Diese Wunden werden nicht weiter behandelt (man liest auch hin und wieder, die Farmer behandelten die Wunden mit Teer), sondern müssen von alleine heilen und vernarben. Auf dem Narbengewebe wächst keine Wolle mehr, es bleibt glatt und faltenfrei, so dass hier Fliegen nicht mehr angelockt werden.

Benannt ist die Methode nach ihrem Entwickler, John W. H. Mules, der sie im Australien den 20er Jahre erstmals angewendet und weiter entwickelt hat. Zugelassen ist das Mulesing in Australien seit 1930.

Gesetzliche Regelung
Da das „Mulesing“ eine grausame und schmerzhafte Verstümmelung der Tiere darstellt, verbietet es das deutsche Tierschutzgesetz:
„Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,
1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und ver- haltensgerecht unterbringen,
2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen

Dies ist allerdings nur ein deutsches Gesetz, das in Australien, einem der Hauptlieferanten für Schafwolle (30%), nicht greift.

Das australische Gesetz verbietet das „Mulesing“ nicht, ganz im Gegenteil, so gibt das Ministerium für Primärindustrie von Neu Süd Wales (NSW department of primary industries) eine Richtlinie für Mulesing heraus(Standard Operating Procedures - sheep Mulesing), in der explizit der Einsatz von Betäubungs- und Desinfektionsmitteln für nicht notwendig erklärt wird.

“While the operation causes some pain, it provides lifelong protection against flystrike. […] No pre- or post-operative pain relief measures are used, however the trauma of operation can be minimised by following the recommended guidelines. […] Mulesing is a skilled surgical task where lambs should be handled with care at every stage. Demonstrations should only be carried out by mulesing contractors accredited by the Livestock Contractors Association.

Die Boykottaufrufe internationaler Tierschutzorganisationen haben ihre Wirkung getan: Mehrere Handelsketten verarbeiten keine australische Wolle mehr, bei der nicht nachgewiesen werden kann, dass sie ohne „Mulesing“ produziert wurde. Laut dem Deutschen Tierschutzbund wollen die australischen Farmer aus Angst von Umsatzeinbußen ab 2010 auf „Mulesing“ verzichten, falls die laufenden wissenschaftlichen Studien brauchbare Alternativen liefern.

Alternativmethoden
Nachdem nun durch den Druck der Verbraucher weltweit die australischen Farmer bereit sind umzudenken, ist es besonders wichtig Alternativen zum „Mulesing“ zu entwickeln und einzuführen.

In Deutschland wird eine in Australien „Clutching“ genannte Methode angewandt, um die hintere Region der Schafe sauber zu halten: die Tiere werden regelmäßig rund um Schwanz, Anus und Vulva geschoren.

Eine andere Möglichkeit im Test ist ein Clip, der die zu entfernenden Hautstellen abgeklemmt, so dass sie nicht mehr durchblutet sind und die Haut nach einigen Tagen abstirbt. Auch wenn hier zumindest keine offenen Wunden entstehen, muss noch geprüft inwieweit das Abklemmen für die Lämmer schmerzhaft ist.

Verschiedene Chemikalien, die durch Injizieren unter die Haut der Tiere bewirken, dass unmittelbar benachbarte Hautzellen absterben, sind ebenfalls im Test. Die Chemikalien sollen bis 2009 in Australien zugelassen werden. Für Erzeuger von Wolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung kommt diese Lösung natürlich nicht in Frage.

Weitere Ansätze beschäftigen sich mit der Herstellung wirksamerer Insektizide. Die DNA der Lucilia Cuprina (Schmeißfliege) ist vollständig entschlüsselt. Insektizide, die die genetischen Schwächen im Erbgut der Fliege ausnutzen und deren Vermehrung stoppen, sind in der Entwicklung – sowohl chemische als auch biologische Impfseren.

Der züchterische Ansatz ist aber der mit Abstand tierfreundlichste. Man versucht, die Tiere so zu züchten, dass sie im After- und Genitalbereich weniger stark bewollt sind.

Kontrolliert biologische Tierhaltung (kbT) – Mulesing ausgeschlossen?
Es kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass bei der Produktion von australischen Wollen auch Schafe aus kontrolliert biologischer Tierhaltung „mulesed“ sind. Die Kriterien für die kontrolliert biologische Tierhaltung sind in Australien durch die NASAA (National Association of Sustainable Agriculture Australia Ltd.) geregelt. Mulesing ist laut dem Organic Standard der NASAA grundsätzlich verboten. Die Anwendung ist zwar mit Ausnahme-genehmigungen sehr eingeschränkt erlaubt – nur wenn der Nutzen der Maßnahme die Konsequenzen einer Nichtbehandlung nachweislich deutlich übersteigt und keine wirksamen Alternativen zur Verfügung stehen – aber die Ausführung ist vorgeschrieben

„Animal surgical treatments are only carried out if the operator can demonstrate that the benefits of the action outweigh the consequences of non-treatment and there are no other acceptable management options.
The operator should choose breeds and practices which do not rely on surgical treatments. […] Where the following surgical treatment is shown to be necessary, it shall be performed in such a way that minimizes the stress and injury to the animal: earmarking, castration, tail docking of lambs, mulesing (only for Merino), dehorning, ringing

Mit Filmen und Bildern illustrierte Schreckensmeldungen über Farmen, die Mulesing brutal am fließbandähnlichen Scher-Karussell ohne Betäubung anwenden, sind durch die europäische Presse gegangen. Nach unseren Recherchen wird Mulesing aber auf großen Farmen angewandt, die konventionelle Tierhaltung betreiben, vor allem in regenreichen Regionen .Hauptabsatzmarkt für australische Wollen ist China, Allerdings wandern die Wolltextilien wiederum zum größten Teil an europäische Verbraucherinnen und Verbraucher.

Einige Länder in Südamerika haben bereits Gesetze und Kontrollsysteme zum Ökolandbau entwickelt, die sich an den Erfordernissen der Zielmärkte (Europa und USA) orientieren. Dazu gehört z.B. Argentinien. Südamerika hat das größte Aufkommen an Wollen aus kontrolliert biologischer Tierhaltung. Bedingt durch die klimatischen Verhältnisse in Patagonien – es gibt große Temperaturunterschiede sowohl zwischen Sommer und Winter als auch zwischen Tag und Nacht und es ist sehr windig - gibt es dort keine Lucilia Cuprina , sodass Mulesing in diesen Regionen nicht eingesetzt wird.

Außer Australien und Südamerika sind Tasmanien, Neuseeland und Südafrika weitere Hauptlieferanten von Merinoschurwolle.

Was kann man tun?
Auch wenn Verbraucherschutzorganisationen dazu aufrufen grundsätzlich keine Schafwolle mehr zu tragen will nicht jeder auf das wunderbar weiche Tragegefühl und die angenehmen und gesundheitsfördernden Eigenschaften der Wolle verzichten. Will man Bekleidung aus Wolle ohne schlechtes Gewissen tragen, empfiehlt der IVN dem Verbraucher beim Kauf von Bekleidung aus feiner Merinoschurwolle darauf zu achten, dass die Wolle aus kontrolliert biologischer Tierhaltung stammt. Einige engagierte Hersteller geben auch gerne Auskunft über die Herkunft ihrer Wolle.

In den IVN-Richtlinien für die ökologische Textilienherstellung gilt für Bekleidung aus Wolle:
Es sind grundsätzlich zu 100% Wollen aus kontrolliert biologischer Tierhaltung vorgeschrieben. Das ist eine wesentliche Grundvoraussetzung für die Qualitätsauszeichnung „NATURTEXTIL – IVN zertifiziert BEST“. Wenn Sie also Bekleidung mit diesem Qualitätszeichen kaufen, können Sie sicher sein „mulesing-freie“ Wolle zu tragen.
In den Richtlinien für den Global Organic Textile Standard gilt für Bekleidung aus Wolle:
Es sind zu mindestens 70% Wollen aus kontrolliert biologischer Tierhaltung vorgeschrieben. Ein Blending, d.h. eine Beimischung von 30% Wolle aus konventioneller Tierhaltung ist verboten.

Links:
www.naturtextil.com
www.global-standard.org
www.nasaa.com.au
www.ifoam.org/press/positions/St.Paul_Declaration.html


Die Haut ist unser größtes Organ
Sie trägt wesentlich zum Stoffwechsel und zur Körperatmung bei. Sie ist empfindlich für Wärme und Kälte, für Feuchtigkeit und Trockenheit, für Berührungen bis hin zum feinsten Lufthauch. Die Haut ist also nicht nur ein Organ, das zentrale Körperfunktionen erfüllt, sondern auch das wichtigste Sinnesorgan.
Nicht nur das Aufbringen von sogenannten Pflegemitteln und Kosmetika, mehr oder minder unbekannter Zusammensetzung, kann die Funktion der Haut und damit das Wohlbefinden des Menschen beeinträchtigen, auch die Wahl der Kleidung hat entscheidenden Einfluss aufs Wohlbefinden. Die reine Naturfaser ist in gewisser Weise die nahtlose Fortsetzung der menschlichen Haut nach Außen. Sie lässt die Haut atmen, erleichtert den Temperatur- und Feuchtigkeitsausgleich und schmeichelt dem Gefühlssinn.

Mit Naturfasern ist der Mensch im Gleichgewicht
Kleidung aus Naturfasern, das ist vor allem Kleidung aus Baumwolle, aus der mehr als fünfzig Prozent der weltweit hergestellten Kleidungsstücke fabriziert sind. Das sind aber auch wertvolle Fasern wie Seide, traditionelles Leinen und Hanf und natürlich die verschiedenen Schurwollen vom feinen Alpaka, über Merino, bis zur robusten Islandwolle.

Baumwolle, Hanf, Leinen – Pflanzenfasern
Baumwolle ist sehr hautverträglich, weil sie Luft zirkulieren lässt und die Haut beim lebensnotwendigen Feuchtigkeitstransport nicht behindert. Speziell für Allergiker ist sie aufgrund der glatten Oberfläche der Faser besonders empfehlenswert. Sie nimmt die Hautfeuchtigkeit auf und kühlt dann den Körper. Denn Überhitzung, zum Beispiel bei sportlicher Betätigung im Sommer, ist für den Menschen genauso schädlich wie Unterkühlung. Vorteil im täglichen Gebrauch ist die problemlose Wäsche in der Waschmaschine.
Hanf und Leinen sind gröber und gerade im Sommer ideal, weil Sie einerseits leicht und luftig sind, andererseits die Haut aber auch gut gegen Sonnenstrahlung schützen.

Wolle und Seide - unserer Haut am ähnlichsten
Für Kleidung und Wäsche, die direkt auf der Haut getragen wird, sind Schurwolle oder Seide die idealsten Fasern, weil beide in ihrer Struktur der menschlichen Haut am ähnlichsten sind. So kann die Wollfaser durch ihre feinen Kapillaren einerseits viel Feuchtigkeit (Schweiß) aufnehmen und speichern – bis zu 60% ihres Eigengewichtes – und die Haut dadurch trocken halten und vor Auskühlung schützen. Wolle ist eine natürliche „Klimaanlage“. Wolle ist darüber hinaus pflegeleicht: in der Regel reicht es, Pullis und andere Kleidungsstücke gründlich zu lüften und die Selbstreinigungskräfte des Naturmaterials können sich voll entfalten.

Naturfasern ohne Chemie
Die Naturfaser ist ist vielfach nur ein Ausgangsmaterial, ein Rohstoff, der bei der industriellen Verarbeitung intensiv mit Chemie behandelt wird und dadurch seine guten Eigenschaften verliert. So werden die Naturfasern im Laufe der industriellen Verarbeitung den Chemiefasern immer ähnlicher und ihre herausragenden Vorteile für Haut und Stoffwechsel gehen immer mehr verloren.
Einige chemischen Belastungen werden am Ende dieser „Veredelung“ durch intensives Waschen entfernt, so dass die gesetzlichen Grenzwerte zumindest bei in Westeuropa vertriebener Ware meistens eingehalten werden. Textilien, die mit dem Ökotex 100-Label zertifiziert sind, halten garantierte Standards ein.
Auch wenn Rückstände der chemischen Behandlungen unterhalb der Grenzwerte liegen oder gar mit normalen Messmethoden nicht nachweisbar sind (also unterhalb der „Nachweisgrenze“ liegen), heißt das eben nicht, dass diese Kleidung „rückstandsfrei“ ist. Konkrete Erfahrungen von betroffenen Menschen untermauern einen negativen Einfluss selbst kleinster Chemiereste immer wieder. Besonders betroffen sind Menschen mit einer Grunderkrankung, Allergien oder Überempfindlichkeit, aber auch Menschen die stark zum Schwitzen neigen. Der natürliche Körperschweiß kann chemische Substanzen aus dem Textil regelrecht herauslösen und auf die Haut übertragen.

Sicherheit durch NATURTEXTIL
Auch wenn die Begriffe „Natur“, „Bio“ oder „Öko“ im Bezug auf Kleidung derzeit nicht geschützt sind, im Unterschied zum Lebensmittelsektor mit seinen strengen Vorschriften, können Sie beim Kauf von Textilien auf Nummer Sicher gehen: So bescheinigen sowohl die Verbraucherinitiative wie auch das kritische Magazin Okötest dem Qualitätszeichen „NATURTEXTIL“ des IVN die höchste ökologische Qualität. Der besondere Unterschied zur reinen Schadstoffprüfung am fix und fertigen Textil ist, dass es die beiden Qualitätszeichen NATURTEXTIL nur für Kleidung gibt, bei denen schädliche Chemikalien während des gesamten Produktionsprozesses gar nicht erst eingesetzt werden. Also, schon beim Baumwollanbau dürfen keine Pestizide, Kunstdünger und Entlaubungsmittel eingesetzt werden. Die Haut kann richtig durchatmen, denn Kunstharzausrüstungen sind sowieso verboten. Wenn Chemie gar nicht erst in die Kleidung hineinkommt, kann sie sich später auch nicht schädlich auswirken.
  
Kleidung aus reinen Naturfasern ist gesund, bürgt für Wohlbefinden und ist gut für die Umwelt.